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Stefan Halbscheffel

Malerei - Zeichnung - Projekte - Workshops

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Toilette - Kathrin Schittkowski

Essen und vergessen?


AUF DER TOILETTE
findet jeweils eine individuelle Performance statt:
die Ausscheidung von Endprodukten der Nahrungsverwertung des menschlichen Organismus; die Verabschiedung eines Körpers von den Ergebnissen seines Stoffwechsels. Dieser Vorgang ist sowohl das Ende eines Prozesses als auch die Einleitung, der erneute Beginn und die Aufrechterhaltung folgender Prozesse, deren Kette aus Vorgängen wie Nahrungsbeschaffung und -auswahl, Speisenzusammenstellung und -zubereitung, aus persönlichen Essgewohnheiten und -ritualen besteht und mit Gefühlen wie Hunger, Durst, Appetit oder Appetitlosigkeit, Befriedigung oder Nichtbefriedigung verbunden ist.
Diese Prozesse sind unmittelbar verknüpft oder beeinflußt durch äußere Umstände wie Kultur, persönliche Alltagskultur, Lebensstandard, Tradition, Reaktion auf Produktwerbung, Trends und den individuellen finanziellen Spielraum. Auch Gesundheitszustand, Gemütsverfassung, persönliches und gesellschaftliches Umfeld bestimmen das Essverhalten des Einzelnen.
»Der Mensch ist, was er ißt!«

DIE WEISS GESOCKELT GEFLIESTE TOILETTE
entspricht dem Streben nach strahlender Sauberkeit und kontrollierbarer Hygiene. Die halbe Höhe der Wandfliesung zeigt einen sparsamen, effizienten Umgang mit Mittel und Material.
Diese Ausstattung könnte die Durchschnittsnorm in mittelständischen Haushalten Westeuropas darstellen.

DIE TELLER AUS PORZELLAN
sind die Tabletts für Essen für eine Person, die mitteleuropäisch kultivierte Präsentation oder Ablage des Essens vor dem Verzehr. Sie sollen hier in diesem Projekt Zitate sein. Form und Größe sind nach dem Inventar eines »normalen« deutschen Haushaltes ausgewählt. (Das einst kostbare Material Porzellan ist heute zum erschwinglichen Massenartikel geworden.) DIE MOTIVE AUF DEN TELLERN
sind Porträts von Essen. Die Auswahl zeigt eine Aufzählung von durchschnittlichen Speisen des Alltags in unserem Land. Die pragmatische Einstellung des deutschen Bürgers zum Essen - es soll schnell und einfach (zeitsparend), preisgünstig und gesund sein - war ausschlaggebend für die Auswahl der Motive.

DIE AUSFÜHRUNG DER MOTIVE
erfolgt in der alten Manier der Porzellanmalerei. Die Auffassung ist angelehnt an die der Stillebenmalerei.
Diese betont die Vielfalt, den Charakter und die besondere Schönheit der Nahrungsmittel und soll signalisieren: »Iss mich!« (unabhängig vom Geschmack des Betrachters).
Die aufwendige Gestaltung der Motive soll deren Wert erhöhen. Das fastfood Pommes mit Ketchup wird zur kunsthandwerklichen Aufgabe, zur Ikone.

DIE AUFHÄNGUNG DER TELLER
erfolgt in loser Streuung über die ungefliesten Wandabschnitte. Die Art der Präsentation soll an Trophäen- oder Souvenirsammlungen erinnern.

DIE GOLDENE TÜR
macht diesen Toilettenraum zu einem sakralen Ort. Die Geschehnisse hier haben mit den (»Heiligen«)-Bildern an den Wänden zu tun.

Der Glaube an Fischstäbchen, Brathähnchen, Fritten und Mozarella wird noch eine Weile anhalten.
Was Essen für eine Bedeutung hat, ist vielfältig.

Dieser Ort soll Gelegenheit geben, darüber nachzudenken.

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